14 | Des Kaisers neustes Kunstwerk. Hört die Stimme der Unschuld! (Hans Christian Andersen) Wer kennt sie nicht, die Geschichte des Kaisers, der sich weismachen lässt, seine neuen Kleider seien etwas Besonderes, da sie nur von denen gesehen werden, die nicht „unverzeihlich dumm“ sind? Erst ein Kind, dem persönliche Eitelkeit (noch) fremd ist, deckt den Schwindel auf: Der Kaiser hat schlichtweg nichts an. Anno Bergmann legt mit Des Kaisers neustes Kunstwerk den Finger auf eine Wunde im Kunstbetrieb. Niemand möchte gerne zugeben, dass er von Kunst nichts versteht. In kaum einem anderen Bereich sind Beliebigkeit in den Äußerungen so sehr an der Tagesordnung. Dabei lässt sich die Verlagerung eines (Kunst)Werks in den Bereich der Gedanken historisch begründen: Die Klassische Moderne glaubte daran, dass Abstraktion stets linear weiterentwickelt werden kann. Jedoch kann nach der weißen Leinwand (z.B. bei Robert Rauschenberg) nur noch auf den ‚reinen’ Gedanken verwiesen werden. Dieser ist aber tatsächlich nur für Eingeweihte wahrnehmbar. Längst haben Künstler das Problem erkannt und beschreiten andere Wege. Für den Betrachter aber, der hier tatsächlich ‚Nichts‘ sieht, gilt: Mit einer Portion gesundem Menschenverstand kommen Sie schon mal weiter. Und wenn nicht, gibt es dafür Fachleute, die Sie fragen können. Für medizinische Fragen gehen Sie doch auch zum Arzt!
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