56 | Ikarus. 2003. Bronze, Eisen Normalerweise dient ein Sockel dazu, eine Plastik oder Skulptur zu erheben und zu präsentieren. Normalerweise. Bei der Bronzegruppe Ikarus scheinen zwei mehr oder weniger übergewichtige, zipfelmützentragende Figuren auf unklarem Wege einen Eisensockel erklommen zu haben – der eine, um von dort seine Flugversuche zu starten, der andere, um ihn davon abzuhalten. Die beiden scheinen zudem in einem kippeligen Gleichgewicht. Während der Jüngere sich mit den Füßen bereits von der Kante des Sockels abstützt, steht der Ältere noch mit einem Fuß auf der Sockelfläche, dabei den Jüngeren am Hosenbund vom Absprung abhaltend. War der mythologische Daedalus der eigentliche Erfinder der Flugapparate, tritt nun die bodenständige Variante eher als Verhinderer auf. Jedoch hat auch der Erfindungsreichtum seines Sohnes wohl ihre Grenzen: Die an den ausgestreckten Armen befestigten Flügelchen mögen kaum ausreichen, die rundliche Gestalt in die Lüfte zu tragen. So vereint das mit sanfter Ironie geschilderte Duo unterschiedlichste Gegensätzlichkeiten formaler wie inhaltlicher Art: Bewegung und Gegenbewegung, Aufstreben und Verharren, Erfinden und Bewahren, Jung und Alt...
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