12 | Zen VIII, Zen XXIII. gewickelter Eisendraht Wie ein zu locker gewickeltes Wollknäuel zeigt sich dieses Werk in einer systematischen, immer wiederkehrenden ‚Kreisform‘ aus Eisendraht in einer auffallend roten Färbung. Das Prozesshafte steht im Mittelpunkt, der Arbeitvorgang bleibt nachvollziehbar. Das Material Eisendraht wird ästhetisiert, seine Schlichtheit präsentiert, es erhält eine autonome Dimension, die sich aus einer reizvollen und offengelegten, einsehbaren Ordnung ergibt. Durch unendlich viele Kreisbewegungen geschaffen sieht man in leeren Zwischenräumen und Kreisen das Symbol des Zen. Die Kalligrafie des Enso (jap. „Kreis“) verkörpert Leerheit und Vollendung. Sie wird häufig als visuelles Symbol für Zen verwendet. Diese Form, die aus ständigen Wiederholungen von sich ineinander windenden Kreisen besteht, baut einen eigenen Kosmos auf. Das Ergebnis und der Wickelprozess sind nicht voneinander zu trennen und beim Anblick gleichzeitig erlebbar. Der Zen-Buddhismus verfolgt das Ziel, zu einem Zustand der Versenkung, zu einer mystischen Erfahrung der Erleuchtung zu gelangen, und macht sich das Erleben universeller Einheit, d.h. die Aufhebung des Subjekt-Objekt-Gegensatzes, zum zentralen Thema. Diese Erfahrung der Nicht-Dualität ist der sprachlichen Kommunikation kaum zugänglich. Lassen Sie sich auf diese Eisenplastik ein, erleben Sie Stille und Leere, lassen Sie Ihre Flut an Gedanken zur Ruhe kommen. Lassen Sie sich von diesem faszinierenden Werk verzaubern!
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